Körperhaltung beim Meditieren

Welche Körperhaltung ist zum Meditieren richtig? Oder ist es egal?

Manche Meditationsschulen machen strenge Vorgaben für die Haltung. Viele Menschen verbinden z.B. mit dem Begriff Yoga hauptsächlich irgendwelche gymnastischen Übungen. Andere meditieren in irgendeiner Haltung, wenn sie nur bequem ist. Was führt zum Erfolg?

Ein Signal für das Unterbewußtsein

Nach meinem Verständnis bedeutet Meditation, die Gedankentätigkeit herunterzufahren, ruhig zu werden, und das "Sein", unsere tiefste Ebene - jenseits aller Konditionierungen, Glaubenssysteme oder sonstiger Ablenkungen - zu spüren. Frank Kinslow nennt es das "Eu-Gefühl".

Es bedeutet nicht, zu grübeln, zu dösen, sich Tagträumen hinzugeben oder irgendwelchen schönen Gedanken und Bildern zu folgen. Daher sind liegende und lümmelnde Haltungen, die zum Schlafen verleiten, ungeeignet.

Meditation soll dir helfen, einschränkende Programmierungen des Unterbewußtseins aus der Kinderzeit zu überwinden. Eine aufrechte, sitzende Haltung ist dabei ein wichtiges Signal für dein Unterbewußtsein. Die Haltung des präsenten Erwachsenen. Eine lümmelnde oder liegende Haltung könnte wieder eine Hilflosigkeit symbolisieren, die alte Verhaltensmuster aktiviert. Besser ist es dem Unterbewußtsein zu zeigen, daß du heute erwachsen, machtvoll und präsent bist. Das zeigst du durch eine aufrechte, sitzende Haltung.

Sitzen - aber wie?

Einige strenge Meditationslehrer erlauben ihrem Schüler gerade mal eine Matte zu benützen. Andere sind so gnädig und genehmigen sogar ein Meditationskissen. Und da sitzt du nun, vermutlich mit gekreuzten Beinen, was du gar nicht gewohnt bist, und versuchst zu meditieren. Durch die behinderte Blutzirkulation schlafen nach kurzer Zeit die Beine ein. Die Füße, der Rücken... alles tut weh. Von Entspannung keine Spur, die Gedanken kreisen nur um das Thema: Wie halte ich das durch? In der Gruppe entsteht bald eine Trennung in die Fortgeschrittenen, die den Schmerz lange aushalten oder nicht mehr spüren, und die Anfänger, die leiden. Mit Bewußtheit hat das alles nichts zu tun.

Angesichts der Tatsache, daß wir in der westlichen Welt das Sitzen am Boden nicht gewöhnt sind, und der Körper sich nach einigen Lebensjahrzehnten nicht plötzlich umstellen kann, ist das Sitzen auf einem normalen Stuhl für uns völlig richtig. Das Blut kann frei zirkulieren, Beine und Rücken können diese Haltung lange durchhalten.

Den Rücken anlehnen oder nicht? Kommt darauf an. Bei einer dynamischen Meditation mit verstärktem Atmen ist es besser, sich nicht anzulehnen, das gibt Bewegungsfreiheit. Bei einer ruhigen Meditation kann der Rücken ruhig durch Anlehnen gestützt werden, solange die Haltung weiterhin aufrecht ist.

Ob die Beine gekreuzt sein dürfen oder nicht, ist immer wieder ein Thema. Es gibt bestimmte energetische Übungen oder Therapieformen, da sollte es nicht sein. In so einem Fall kann es der Lehrer oder Therapeut auch nachvollziehbar erklären. Wenn es rein um Meditation geht, sollte die Haltung der Beine keine große Rolle spielen, schließlich meditieren Millionen Asiaten im Schneidersitz.

Und wenn es juckt?

Wer hat das nicht schon erlebt: Kaum begibt man sich in meditative Haltung, schon juckt es irgendwo, die Blase drückt oder die Nase läuft. Was nun? Durchhalten und Zähne zusammenbeißen? Auch wenn solche Empfindungen gerade am Anfang der Meditationspraxis Abwehrhaltungen des Unterbewußtseins sein mögen, so macht es keinen Sinn diese unterdrücken zu wollen. Das Jucken wird immer schlimmer werden, bis du es nicht mehr aushältst. Der Nutzen der Übung ist dahin.

Warum es dir schwer machen? Wenn es juckt, dann kratzt du dich kurz und meditierst weiter. Ein völlig natürlicher Vorgang. Mit der Zeit wirst du entspannter und dein Unterbewußtsein produziert weniger Ablenkungen. Ich habe Menschen beobachtet, die bei der Meditation wegen häufigem Durst zwischendurch getrunken haben, oder während einer Gruppenmeditation still und leise kurz auf die Toilette gegangen sind. Warum nicht? Wenn das hilft, um danach wieder entspannt und präsent zu sein, dann ist es gut. Solange andere nicht übermäßig abgelenkt werden. Alleine zuhause spielt das keine Rolle.

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Dogmatische Haltungen, sowie etwas aushalten oder erzwingen zu müssen, führen nicht zu echter Meditation. Hilfreich ist nur eine entspannte und aufrechte, präsente Position.

   

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