Hygiene

Allgemein wird davon ausgegangen, daß wir bei der Hygiene einen hohen Standard haben. Das mag sein, doch einiges können wir noch besser machen. Vor allem dort, wo viele Menschen zusammenkommen.

Es geht nicht darum, paranoid jeglichen Kontakt mit möglichen Gefahren ängstlich zu vermeiden. Natürlich sollten wir ganz locker leben und uns eines gut trainierten Immunsystems erfreuen. Doch die wenigsten verfügen über ein 100%ig funktionierendes Abwehrsystem, und einige chronische Infektionen können uns ein Leben lang sehr plagen, ohne daß direkt eine Kranheit ausbricht. Darum ist es sinnvoll, wenigstens die schlimmsten Übertragungswege zu kennen und zu meiden.

Infektionen verbreiten sich oft über Schmierinfektion, das heißt über die Hände. Direkt oder über Gegenstände. Eigentlich ist allgemein bekannt, wie man Wohnungen und Gebäude sauber hält. Einiges wird trotzdem gern übersehen, darauf möchte ich hier hinweisen.

Türklinken

Wie oft am Tag betätigen wir eine Türklinke? Und wieviele Menschen berühren die Türklinken in einem öffentlichen Gebäude, am Arbeitsplatz oder an anderen Orten? Und wie oft werden die Türklinken gereinigt?

Richtig, selten oder gar nicht. Dabei ist es so einfach, die Klinken mit einem leichten Reinigungsmittel kurz abzuwischen. In öffentlichen Gebäuden sollte das täglich geschehen, in Kliniken und Arztpraxen sogar mehrmals am Tag. Und wie oft werden in Hotels die Tür- und Fensterklinken, Lichtschalter, TV-Fernbedienung, Telefon und andere oft berührte Dinge gereinigt? Fragen Sie an der Rezeption doch mal nach.....

Geld

Geldscheine und Münzen gehören neben Türklinken zu den am meisten mit Keimen belasteten Gegenständen. Jeder nimmt sie in die Hand, und sie wechseln häufig den Besitzer. Untersuchungen zeigten bei Geld eine ähnliche Keimbelastung wie in Toiletten. Nach dem Anfassen von Geld ist Händewaschen Pflicht, spätestens bevor man etwas ißt oder sich z.B. die Augen reibt.

Besondere Vorsicht ist in Bäckereien und Metzgereien geboten, sowie auf Märkten, wo offene Lebensmittel gehandelt werden: Immer wieder kann man beobachten, wie das Verkaufspersonal Geld und Lebensmittel anfasst. Egal wie man das Problem löst, die Grundregel heißt: Lebensmittel nicht mit den Händen anfassen, die vorher Geld berührt haben!

Weitere oft berührte Stellen:

Die Tastaturen von Bezahlterminals, Geldautomaten und ähnlichen Geräten sind ebenfalls erschreckend hoch mit Keimen belastet. Gereinigt werden diese Stellen offenbar gar nicht. Somit bringt auch die Verwendung von Kreditkarten anstatt Bargeld wenig.

Weitere keimbelastete Stellen: Der "Gameboy", den mir der Paketbote zum Unterschreiben hinhält, der Kugelschreiber zum Unterschreiben an der Kasse, Computertastaturen und -mäuse, usw.

Straßenschuhe

Auf der Straße kommen unsere Schuhe mit vielem in Berührung, was wir nicht in der Wohnung haben wollen. Schmutz, Teer, Ruß, Öl, Bakterien und viele weitere unhygienische Stoffe. Es ist eine gute Gewohnheit, die Straßenschuhe nicht in der Wohnung zu tragen. Auch Besucher sollte man bitten, die Schuhe auszuziehen.

In fremdem Wohnungen laufe ich auch nicht barfuß. Wer möchte schon fremden Fußschweiß oder gar Fußpilz auf dem Boden haben? Entweder der Gastgeber bietet Schlappen an, oder ich bringe meine eigenen, gesäuberten(!) Pantoffel mit.

Hände waschen

Nach den Hygieneskandalen in einigen Krankenhäusern sagte ein Hygienebeauftragter in einer Rundfunksendung: "Es wurdet beobachtet, wie selbst angesehene Chefärzte sich die Hände nach dem Toilettengang nicht waschen." Diese Beobachtung kann man auch bei vielen anderen Personen machen. Dabei ist das Händewaschen eine der einfachsten und wichtigsten Maßnahmen gegen Infektionen. Eigentlich lernten wir schon als Kind: Nach der Toilette, wenn man von draußen in die Wohnung kommt, nach schmutziger Arbeit usw.: Händewaschen.

Und wie geht es richtig? Hände naß machen, mit Seife gut einreiben, kurz einwirken lassen, mit Wasser abspülen und dann die Hände gründlich trocknen. Alles andere ist nur ein Hände befeuchten. Auf gar keinen Fall mit noch nassen Fingern die Tür öffnen, und damit ein tolles "Feuchtbiotop" für Keime am Türgriff anlegen. Der nächste wird sich bedanken.

Ein Tip: Nach dem Händewaschen den Wasserhahn am besten mit einem Papiertuch o.ä. schließen, denn diese Stelle hat man (und evtl. viele andere) ja vorher mit schmutzigen Händen angefaßt. In öffentlichen Gebäuden und Firmen wären berührungslose Wasserhähne optimal, ich habe auch schon automatisch öffnende Türen für den Toilettenbereich gesehen. Also, liebe Architekten und Bauherren, so etwas wäre sinnvoller als WLAN in jeder Ecke oder anderer Schnickschnack.

Niesen

Wie hat man uns als Kind beigebracht? Beim Niesen die Hand vor den Mund halten. Gut, so werden die Tröpfchen nicht durchs ganze Zimmer geschleudert. Und was passiert dann? In der Regel nichts, man fasst bedenkenlos alles an oder gibt anderen die kontaminierte Hand. Nicht sehr sinnvoll das ganze.

Es gibt zwei gute Methoden, beim Niesen Infektionen nicht weiterzugeben. Die erste und beste ist das Niesen in ein Taschentuch. Sollte das nicht gleich griffbereit sein gibt es Methode zwei: Niesen in den Ärmel. Die Keime trocknen dort ab und werden kaum an andere Stellen übertragen. Bei kräftigen Niesattacken würde ich allerdings zu Methode eins raten. Oder die Hände sofort waschen.

Hände schütteln

Nun haben wir schon ein paar Mal betrachtet, wie über die Hände Infektionen weitergereicht werden. Am intensivsten geschieht dies beim Händeschütteln zur Begrüßung. Wir sollten uns überlegen, ob dies wirklich immer notwendig ist, oder ob es sich nicht doch nur um eine alte Tradition handelt. Oft würde es genügen, beim Betreten des Raumes allen zuzunicken und "Guten Tag allerseits!" oder etwas anderes zu sagen. Man kann auch die direkte Begrüßung "Guten Tag Frau/Herr ...." aussprechen ohne Körperkontakt. Gar kein Problem.

Früher diente das gegenseitige Reichen der rechten Hand als Zeichen des Friedens. Man konnte so erkennen, daß der andere keine Waffe in der Hand hält. Haben wir solche Traditionen heute noch nötig?

Krankenhaus

Mittlerweile dürfte es allen bekannt sein, welch ein Tummelplatz für unterschiedlichste Keime ein Krankenhaus ist, sogar für besonders gefährliche multiresistente. Wenn ein deutscher Patient in ein holländisches Krankenhaus verlegt wird, gilt er dort erst einmal als Risikopatient und wird unter Quarantäne gestellt.

Bei Gesundheitsproblemen sollte man sich sehr gut überlegen, ob ein Klinikaufenthalt wirklich notwendig ist, doch in einem Notfall hat man keine Wahl.

Wie verhält man sich als Besucher richtig? Zuerst einmal durch das Beachten aller oben bereits erwähnten Punkte. Türklinken und andere neuralgische Punkte nicht direkt anfassen. Toiletten nur aufsuchen wenn unbedingt nötig. Wie ist die Luft im Krankenzimmer? Nach Möglichkeit mal durchlüften. Wenn der Patient das Bett verlassen kann ist es am besten, mit ihm nach draußen zu gehen. Etwas Bewegung, frische Luft und ein paar Sonnenstrahlen begünstigen die Heilung.

Mitbringsel am besten schon von zuhause mitbringen, nicht erst im Krankenhauskiosk kaufen. Nützlich wäre für den Patienten z.B. eine Packung Hygienetücher. Und natürlich alles, was seine baldige Genesung und damit das Verlassen der Klinik fördert, vor allem viel psychische Aufmunterung.

Blut abnehmen

Wenn wir schon beim Thema Kliniken sind, möchte ich auf korrektes Blutabnehmen hinweisen, das gilt auch für Arzt- und sonstige Gesundheitspraxen. Es geht hier nicht um das richtige Treffen der Venen, sondern um Hygiene.

Es gibt ganz kleine Kunstoff-Piekser, einzeln verpackt, die werden einfach auf die Haut gedrückt, es kommt eine kleine Nadel zum Vorschein. Hier geht es nur um einen Tropfen Blut für Schnelltests, hier kann man evtl. auf weitere Hygienemaßnahmen verzichten, sofern die blutende Stelle sofort mit einem sauberen Tupfer und Pflaster berührt wird, nicht mit der Hand!

Im Falle einer größeren Blutabnahme per Spritze ist größere Sorgfalt nötig. Die entsprechende Stelle der Haut sollte vorher desinfiziert werden. Dabei muß das Desinfektionsmittel kurz einwirken, nur Aufsprühen genügt nicht! Die Person, die das Blut abnimmt, zieht sich frische(!) Einweghandschuhe an, nimmt das Blut ab, versorgt zuerst die kleine Wunde, und erledigt danach(!) andere Arbeiten.

Fehler, die immer wieder zu beobachten sind: Die Haut wird nicht korrekt desinfiziert, aus Hektik verzichtet man auf das Einwirken. Handschuhe werden nicht gewechselt, man springt damit von Patient zu Patient. Dabei schützt die Person zwar sich selbst vor Ansteckung, nicht aber die Patienten. Oder bei ein und demselben Patient wird zwischendurch eine evtl. kontaminierte Computertastatur o.ä. angefasst, danach wieder die Nadel oder die Wunde.

Achten Sie beim nächsten Arztbesuch auf diese Details und sprechen Sie bei Abweichungen das Personal an. Es geht um Ihre Gesundheit.

Verschiedene Putzlappen

Ein kleines Detail, aber groß in der Wirkung. Wie sauber wird ein Tisch oder eine Türklinke werden, wenn sie mit dem gleichen Lappen gereinigt wird, mit dem vorher die Toilette geputzt wurde? Oder wie sinnvoll ist es wohl, mit dem Toilettenlappen Keime auf Waschbecken und Wasserhahn zu übertragen?

Es sollte selbstverständlich sein, für Toiletten, Böden, und andere Flächen jeweils getrennte Reinigungsgeräte zu verwenden, das betrifft auch den Putzeimer usw. Korrekte Reinigungsfirmen arbeiten hier mit unterschiedlichen Farben der Geräte, das reduziert die Verwechslungsgefahr.

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Ein paar der Hinweise mögen Ihnen Anregungen gegeben haben, die Hygiene sinnvoll zu verbessern. Streifenfreie Fenster und glänzende Fliesen nützen wenig, wenn das, was wir oft berühren, mit Keimen belastet ist. Optik und schönes Aussehen sind toll, viel wichtiger ist die Gesundheit. Und dazu bedarf es weder viel Zeit noch teurer, scharfer Putzmittel, einfach nur etwas Sorgfalt und Bewußtheit.

   

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