Vögel füttern. Warum?

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und die Erfahrung von Vogelfreunden, die mit offenen Augen durch die Welt gehen, belegen, daß eine ganzjährige Vogelfütterung notwendig ist.

Normalerweise sollte es überhaupt nicht nötig sein Vögel zu füttern. Aber "normal" würde auch bedeuten eine weitgehend unberührte Natur zu haben, die eine Fülle von Nahrung bietet. Von Samen über Beeren bis zu Insekten und Würmern. Leider ist das schon lange nicht mehr der Fall. Auch für uns augenscheinlich grüne Natur mit Wiesen, Feldern und Wäldern ist dermaßen biologisch verarmt, daß für unsere einheimischen Wildvögel kaum noch Nahrung vorhanden ist. Was sind die Folgen?

Viele heimische Vogelarten nehmen zahlenmäßig ab oder sind sogar im Bestand bedroht

Unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit wird der Vogelgesang in vielen Gegenden von Jahr zu Jahr weniger. Das ist ein schleichender Prozess, darum wird er kaum wahrgenommen. Der Schwund betrifft nicht nur wenig bekannte Arten, sogar Allerweltsarten wie Spatzen, Stare, Amseln und Feldlerchen sind rückläufig. Bereits 1962 wies Rachel Carson in ihrem Bestseller "Stummer Frühling" auf die verheerenden Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur hin. Heute haben wir zwar vordergründig ein gesteigertes Interesse an Naturschutz, trotzdem ist der Raubbau an der Natur nicht gestoppt. Lebensräume und Nahrungsangebot für Wildtiere nehmen von Jahr zu Jahr ab. Was wäre ein Leben ohne Vogelgesang und ohne Schwärme von fliegenden Geschöpfen am Himmel? Unvorstellbar.

Wodurch werden Lebensraum und Nahrungsangebot reduziert?

Intensive Landnutzung

Städte werden größer, der Straßenbau nimmt mit dem Verkehr zu, Agrarflächen unterliegen intensivster kommerzieller Nutzung. Natürlich belassene Gegenden gibt es selten, eigentlich nur in ein paar wenigen Naturparks und dort, wo man mit dem Traktor nicht hinkommt. Vögel brauchen samentragende Pflanzen. Dazu gehören diverse Wildblumen, Stauden und Büsche. Früher gab es zeitweise brachliegende Felder, ungenutzte Flächen, Hecken und Büsche am Feldrand, die vielen Tieren Schutz und Nahrung boten. Diese Flächen sind weitgehend verschwunden. Felder werden bis an den Wegesrand genutzt, Wiesen alle paar Wochen abgemäht. Somit können dort keine für Vögel nützlichen Samen heranreifen. Feuchtwiesen und Moore wurden trockengelegt und riesige Monokulturen errichtet, damit ging viel Lebensraum und Nahrung für Wildtiere verloren.

Intensiver Maschineneinsatz

Früher war es sehr mühevoll in Handarbeit Wiesen zu mähen, Hecken und Büsche zu schneiden. Darum hat man diese Arbeiten auf das absolut notwendige Minimum reduziert. Kühe fraßen auf der Weide, ringsherum wuchsen Büsche und Wildpflanzen, da blieb noch genug für wilde Tiere übrig. In den vergangenen Jahrzehnten haben immer größere Maschinen das Landschaftsbild verändert. Die Kühe stehen nur noch im Stall, der Traktor mäht die Wiese, und zwar bis auf den letzten Zentimeter. Bäume und Büsche würden dabei nur stören. Waldarbeit ist keine Plackerei mehr mit Handsäge und Beil, Maschinen und heulende Motorsägen leisten jetzt regelmäßig gründliche Arbeit. Daß dadurch kein altersschwacher Baum mehr Nisthöhlen und Brutplätze bietet, und auch wertvolle Pflanzen im Unterholz und an Waldrändern dran glauben müssen ist wohl nur Kollateralschaden.

Doch nicht nur die kommerziellen "Landschaftspfleger" haben aufgerüstet, auch der private Hobbygärtner. Schließlich muß es ums Haus ja sauber sein. So entstand ein riesiger Markt für lärmende und stinkende Maschinen. Überdimensionierte Benzinrasenmäher, Laubsauger, Motorsägen, Motorsensen, Dampfstrahler, motorisierte Giftspritzen und dergleichen mehr sorgen für "Sauberkeit und Ordnung" im heimischen Garten. Wo kein Blättchen mehr liegenbleibt leben auch keine Insekten und Kleinstlebewesen mehr, also wieder eine Nahrungsquelle weniger. Und weil die Maschinen so gut funktionieren, wird schon im Spätsommer begonnen alle möglichen Pflanzen herunterzuschneiden oder ganz rauszureißen. Damit gehen auch die wenigen evtl. herangereiften Samen und wichtige Schutzräume für Vögel angesichts des nahenden Winters verloren.

Pestizide und andere Chemikalien

Trotz allem Gerede um Grenzwerte, Zulassungsbestimmungen usw. - es wird Gift in die Natur gebracht. Direkt über die Giftspritzen der Bauern und Kleingärtner, oder indirekt über Industrie und Haushalte. In einigen Fällen sind Vögel direkt betroffen, wenn sie das Gift irgendwie aufnehmen, in anderen Fällen indirekt, wenn ihnen die "weggespritzten" Insekten als Nahrung fehlen. Bienensterben soll hier nur ein Stichwort sein. Natürlich möchte sich niemand die Ernte von Insekten kaputt machen lassen, doch es geht auch ohne oder mit ganz wenig Gift, Biobauern beweisen es.

Manche Chemikalien, die in Industrie, Handwerk und Haushalt verwendet werden, wirken hormonähnlich. In diesen Fällen spielen Grenzwerte keine Rolle, schon kleinste Spuren können u.a. die Fortpflanzungsfähigkeit von Mensch und Tier beeinträchtigen und zu Mißbildungen führen.
(Buchtip: "Die bedrohte Zukunft" von Theo Colborn u.a.)

Zunehmende Freizeitaktivitäten

Kaum ein Waldweg, eine Wiese oder andere Naturplätze, wo man nicht nach kurzer Zeit anderen Menschen begegnet. Dabei sind Wanderer und Spaziergänger noch harmlos, sofern sie nicht kilometerweit hörbaren Lärm verursachen. Mountainbikes, sogar Motocross-Motorräder und "Quads" dringen immer weiter in eigentlich zu schützende Reviere ein. Tourengeher, die im Winter die markierte Route verlassen, scheuchen Wildtiere immer wieder auf. Dadurch verbrauchen diese ihre kostbare Energie unnötig.

Katzen

In der Nähe von Siedlungen finden Vögel häufig Nahrung in den wenigen naturnahen Gärten und durch erfreulicherweise zunehmende Fütterung. Streunen aber Katzen um die Futterstellen, werden Vögel aufgescheucht und verjagt. Bereits eine einfach nur herumsitzende Katze hält die Vögel u. U. stundenlang vom Futter fern. Das ist im Winter und in der Brutzeit besonders schlimm, vor allem wenn es in der Gegend kaum alternative Futterstellen gibt.
 

Warum gerade Vögel schützen und füttern?

Vögel haben für uns Menschen eine besondere Bedeutung. Sie bewegen sich in der Luft, auf dem Boden und am Wasser. Somit verbinden sie diese Elemente. Viele Arten sind nicht auf eine Region festgelegt, sondern ziehen zweimal pro Jahr über Tausende von Kilometern. Bewundernswert, was so ein nur wenige Gramm schwerer Vogel zu leisten vermag.

Andererseits sind sie ein hervorragendes Beispiel für das, was spirituelle Lehrer "im JETZT sein" nennen. Obwohl sie immer mal wieder von größeren Raubvögeln, Katzen oder menschlichen Einflüssen angegriffen und verjagt werden, beharren sie nicht in ihrer Angst oder einem Schockzustand. Sie beobachten die Situation sehr genau. Sobald die Gefahr vorbei ist, bauen sie den Stress mit wildem Geflatter und Gezwitscher ab, und schon nach kurzer Zeit sind sie mit ihren Routinearbeiten wie Futtersammeln beschäftigt, oder genießen einfach das JETZT und zwitschern ein fröhliches Lied. Wirklich ein Vorbild für uns Menschen. Wollen wir darauf verzichten?

Vom Vogelschutz profitiert die ganze Natur

Da Vögel praktisch alle Lebensräume bewohnen, wirkt sich ihr Schutz auch nützlich auf viele andere Tier- und Pflanzenarten aus. Natürlich gestaltete Gärten und Landschaften wirken dem Artensterben entgegen, dadurch wird die biologische Vielfalt erhalten. Hecken und Sträucher wirken der Bodenerosion entgegen. Vögel fressen viele "Schädlinge", also Insekten. Das hilft dem Kleingärtner und dem Landwirt. (Nebenbei bemerkt: In der kurzen Reifezeit kann man Kirschbäume etc. ganz einfach durch Netze vor Vögeln schützen, es sind keine tier- und menschenverachtenden Kanonenschüsse etc. erforderlich.) Eine Hand wäscht die andere.

Wer auf Vogelschutz achtet und füttert, der achtet auch sonst auf ein gesundes und naturschützendes Verhalten. Eine halbe Stunde still zu sitzen, die Gedanken ruhig werden zu lassen und dem Vogelgezwitscher zu lauschen bringt oft mehr Heilung für die Seele als manch andere Therapie. Und das sage ich als Therapeut. Als ausgeglichener Mensch verhalte ich mich dann anderen gegenüber liebevoller. Wäre das nicht ein Gewinn für alle?

Wollen wir diesen wohltuenden Gesang, diese Fülle in der Natur, diese Wohltat für unsere Seele weiter genießen? Dann müssen wir etwas dafür tun. Obige Abschnitte haben gezeigt, daß es nur recht und billig ist, den Vögeln etwas davon zurückzugeben, was der Mensch ihnen genommen hat.
   

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